Hightech unterm Sattel

Von wegen Drahtesel

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Rennradfahren erfreut sich großer Beliebtheit. Laut IfD Allensbach üben fast zwei Millionen Menschen dieses Hobby aus. Aus dem Rennrad ist längst eine Hightech-Maschine geworden.

Luftwiderstandsarm und leicht müssen sie sein, damit der Fahrer ohne großen Kraftaufwand schnell fahren kann. Diese und viele weitere Anforderungen erfüllen vor allem Leichtbau-Räder aus kohlefaserverstärkten Kunststoffen bzw. Carbon oder hochlegiertem Aluminium.

Mit der Klebtechnik werden Räder leichter

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Foto: © BMW Group

Für ihre Herstellung sind Klebstoffe unverzichtbar. „Die Verwendung von Klebstoffen bedeutet kein großzügiges Ausschöpfen von Möglichkeiten, sondern eine unumgängliche Notwendigkeit. Leichtbau-Räder erfordern eine Fügetechnik, die sich den Eigenschaften des Materials, wie Carbon, anpasst. Und das leisten nun mal nur Klebstoffe. Herkömmliche Schraub- und Nietenverbindungen sind, aufgrund der oft nur wenige zehntel Millimeter starken Bauteile, nicht realisierbar. Zusätzliches Material müsste her, was sich wiederum in Mehrkosten und Gewicht auswirken würde“, erklärt Jürgen Seidler, Technischer Leiter bei Xentis, einem österreichischen Entwickler und Produzenten von Rennrädern und Mountainbikes.
Das einfachste und anschaulichste Beispiel für die Anwendung von Klebstoffen sind die Durchführungen und Anschläge für die Züge, mit denen Schaltung und Bremse betätigt werden. Bisher wurden diese mit Nieten in gebohrte Löcher an den Rohren des Rahmens befestigt.
Da die aus Aluminium gefertigten Bauteile heute eine etwas größere, an die Rahmenkontur angepasste Grundfläche aufweisen, kann problemlos geklebt werden. Zum Einsatz kommen hochviskose Epoxidharzklebstoffe. Klebstoff wird ebenso im Bereich der Felge verwendet. Die Speichen, die von oben gesehen auf die Felge zulaufen, sind dort mit kleinen, sogenannten Nippeln befestigt. Die Gewindesicherung dieser Nippel erfolgt mit Hilfe von anaeroben Klebstoffen, die unter Luftausschluss, also sobald das Gewinde zugedreht wird, aushärten. Dank Klebstoffen lösen sich auch Aluminiumnippel nicht mehr und das wenig sichere Verharzen der Gewinde mit Leinöl gehört endlich der Vergangenheit an.

Ein weiteres Anwendungsgebiet von Klebstoffen sind die Lagerschalen der Tretlager. Sie werden nachträglich mit niedrigviskosen Epoxidharzen vergossen, damit kein Dreck und Wasser eintritt. Jürgen Seidler resümiert treffend: „Ohne Klebstoffe würden Profi-Rennradfahrer die Pässe nicht mit Durchschnittsgeschwindigkeiten von circa 40 Kilometern pro Stunde bezwingen.“

Titelbild: © BMW Group