Klebstoffe erobern das Bauwesen

Vom olympischen Schwimmstadion in Peking bis zur Allianz-Arena in München

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Mittwochabend. Es ist 20.45 Uhr. Der FC Bayern spielt gegen Real Madrid. Für den 12-jährigen Daniel und seinen Vater ein Highlight. Vor dem Stadion traut der kleine Fußballfan seinen Augen nicht. „Papa, die Allianz-Arena ist ja riesig! Und, warum kann die Hülle rot leuchten?“

Die Allianz-Arena in München und die Olympia-Schwimmhalle Water Cube in Peking zeigen es: Membrankissen ermöglichen Designfreiheit in Form und Farbe. Da herkömmliche Fügeverfahren bei solchen Gebäudekonstruktionen und -hüllen an ihre Grenzen stoßen, wird immer häufiger auf das Potenzial der Fügetechnik Kleben zurückgegriffen. Überdachungen aus Fluorkunststoff-Folien (Membrankonstruktionen) bieten außerordentliche Flexibilität in der architektonischen Gestaltung. Aber nicht nur das: Gegenüber Gebäudehüllen aus Glas, Metall oder starren Kunststoffelementen ist die Realisierung um einiges kostengünstiger. Hinzu kommt ein geringer Materialaufwand sowie sortenrein recycelbares Material. Die Ethylen-Tetrafluorethylen-Folien (ETFE-Folien), die bei Membrankonstruktionen hauptsächlich zum Einsatz kommen, zeichnen sich durch Energiesparpotenziale, Transparenz, Witterungsbeständigkeit sowie selbstreinigende Eigenschaften aus. Letzteres bedeutet, dass Luftverschmutzungen oder andere Ablagerungen einfach durch Regen abgespült werden. So ist Schluss mit aufwändigen und teuren Dachbefahranlagen zum Reinigen. Die Transparenz macht die Oberfläche außerdem UV-durchlässig – nur so bekommt beispielsweise der Spielrasen ausreichend Licht, um zu wachsen.

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Das Olympische Schwimmstadion in Peking.
Foto: © BASF

Die Klebtechnik im Membranbau

Kleben hat sich dabei als die zukunftsträchtige Fügetechnik für Membrankissen entwickelt, die ohne die Erfüllung gewisser Anforderungen jedoch nicht einsetzbar wäre. Zum einen muss der Klebstoff flexibel und transparent sein, zum anderen über eine UV-Stabilität sowie schnelle Aushärtung verfügen. Darüber hinaus spielt natürlich auch die Optik eine entscheidende Rolle. Daher sollte die Klebfugenbreite maximal 10 mm betragen. Zur Verarbeitung der Membranen eignen sich insbesondere Schmelzklebstoffe, die im heißen Zustand auf die Klebfläche aufgetragen werden und eine schnelle Weiterverarbeitung des Kissens ermöglichen. Klebstoffen ist es also zu verdanken, dass sich mit Membrankissen futuristische Sportstadien in Freiformen realisieren lassen oder schlicht Mauern durch Folien ersetzt werden können. Die Verbindungstechnik Kleben erobert mehr und mehr das Bauwesen mit all ihren Herausforderungen und erhöht dabei architektonische Freiheitsgrade. Kein Wunder, dass Daniel beim Anblick der Allianz-Arena aus dem Staunen nicht mehr herauskommt.

Titelbild: © Siemens