Gesunde Treter

Sneaker aus Zeitungsresten, Sohlen aus Reishülsen, Innenflächen aus Hanf

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Der Trend zu Bio-Produkten beschränkt sich nicht nur auf den Lebensmittelbereich. Auch in der Schuhbranche hat das Thema Nachhaltigkeit Konjunktur. Vegane Pumps, Öko-Sandalen oder Stiefel aus recycelten Autoreifen – die Liste an gesunden Tretern ist lang. Schuhklebstoffe sorgen dafür, dass sie beim Gehen nicht auseinanderfallen und auch wirklich umweltfreundlich sind.

Gesunde, nachhaltig produzierte Schuhe – nur etwas für Krankenschwestern, Hippies und Leute über 60? Mit der Wirklichkeit hat dieses althergebrachte Klischee nichts gemein. Die Realität sieht anders aus, nämlich modern, stylish und auf der Modehöhe der Zeit. Trendige Öko-Schuhe erobern die Laufstege dieser Welt und sichern sich einen festen Platz in Schuhschränken.

Gut für die Umwelt und die Füße

Der Siegeszug der umweltfreundlichen Treter kommt nicht von ungefähr. Herkömmliche Schuhe bestehen in der Regel aus über 40 Materialien, darunter chromgegerbtes Leder, Kunststoffe und vorbehandelte Textilien. Sie können meistens weder kompostiert noch recycelt werden. Jahr für Jahr wandern so allein in der Europäischen Union über 1,2 Millionen Tonnen ausrangierter Schuhe in den Müll.
Immer mehr Verbraucher fordern daher nachhaltige Schuhe aus Recyclingmaterial. Die Industrie reagiert mit einer Fülle an ökologisch verträglichen Lösungen, zum Beispiel Sneakern aus Zeitungsresten, Sohlen aus Reishülsen oder Innenflächen aus Hanf.

Klebstoffe in Schuhen

Inzwischen haben Öko-Schuhe eine identische Lebensdauer, ähnlichen Komfort und sogar einen vergleichbaren Preis wie konventionelle Treter. Auch beim Fertigungsprozess gibt es kaum Unterschiede: Egal, ob bio oder nicht – fast alle Schuhe werden geklebt. Dafür kommen Spezialklebstoffe aus unterschiedlichen Rohstoffen zum Einsatz. Für Klebungen im Schuhinnenbereich dienen in der Regel Synthese-Kautschuk-Klebstoffe und Dispersionsklebstoffe. Die Verbindung zwischen Schuhoberteil und Brandsohle, auch „Zwicken“ genannt, wird in der Regel mit Polyamid- oder Polyester-Schmelzklebstoffen ausgeführt.
Ein Lübecker Hersteller geht einen anderen Weg: Zur Herstellung seiner Sneaker setzt er Naturkautschuk – oder genauer gesagt gummihaltige Latexmilch – als Klebstoff ein. Diese lässt sich aus der Rinde des Kautschukbaumes „Hevea Brasialiensis“ gewinnen. Der Milchsaft wird durch Beimischen von Naturharzen zu einer klebrigen Masse weiterverarbeitet und auf die zu fügenden Elemente aufgetragen. Nach einigen Minuten Trocknungszeit können die Kontaktflächen aufeinandergedrückt und somit geklebt werden.
Das Naturkautschuk-Gemisch ist biologisch abbaubar. Schuhe, die Latex-Klebstoffe enthalten, können bedenkenlos kompostiert werden. Einzige Voraussetzung: Alle weiteren Schuhkomponenten sind ebenfalls recycelbar. Nach wenigen Monaten industrieller Kompostierung ist vom Schuh nichts mehr übrig.

Titelbild: © Ethletic