Pannen waren einmal

Nie mehr einen „Platten“

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Davon träumt jeder Traktor- und Baumaschinen-Fahrer: Reifen, die über Nägel, Schrauben oder andere spitze Gegenstände rollen, ohne zu platzen. Pneus, denen nie die Luft ausgeht. Und jetzt gut festhalten: Moderne Klebstoffe lassen diesen Traum wahr werden. Polyurethan-Reifen garantieren absoluten Pannenschutz.

Was wäre ein Actionfilm ohne spektakuläre Verfolgungsjagd? Kein moderner Hollywoodstreifen verzichtet auf eine Szene, in der Bankräuber, Diebe oder andere Halunken mit dem Auto flüchten. Ihr Fluchtwagen rollt problemlos über ausgelegte Nagelmatten hinweg und kann auch mit Schüssen auf die Räder nicht gestoppt werden. Es scheint fast, als seien die Reifen ihres Vehikels schier unzerstörbar. Was nach James-Bond-Technologie klingt, ist bereits Realität – zumindest im Hinblick auf die Pneus von industriellen Nutzfahrzeugen. PU-Reifen stehen für 100 Prozent Pannenschutz. Ihr Geheimnis liegt im Füllmaterial. Statt aus Luft besteht es aus Polyurethan. Der Werkstoff wird vollständig in den Reifen gefüllt, wo er innerhalb von 24 Stunden zu einem hochelastischen Kern aushärtet. So hält der Pneu auch stärksten Belastungen sicher stand.

Sichere und lohnende Alternative

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Foto: © PURinvent

PU-Reifen überzeugen nicht nur in Sachen Sicherheit, sondern auch in puncto Fahrkomfort und Wirtschaftlichkeit: Sie sind leiser und langlebiger als herkömmliche Pneus mit Luftbefüllung. Das spart Geld und schont die Umwelt.

Cleverer Werkstoff

Bionik-Wissenschaftler gehen jetzt noch einen Schritt weiter. Sie haben eine Polyurethanschaum-Beschichtung entwickelt, die sich durch die Fähigkeit zur Selbstreparatur auszeichnet. Sie soll luftgefüllte Membrankonstruktionen, wie etwa Reifen, schützen. In der Praxis bedeutet das: Wird die Membran verletzt, zum Beispiel durch eindringende Nägel, Glasscherben oder Schrauben, quillt der Polyurethanschaum durch den entstehenden Überdruck in den Riss und dichtet ihn zuverlässig ab. Damit heißt es bald: Plattfüße adé.

Pflanzliche Selbstreparatur als Vorbild

Die Idee für den selbstreparierenden Schaum kommt aus der Natur. Lianen bedienen sich derselben Technik, um kleinere Schäden erstzuversorgen. Während des Wachstumsprozesses kommt es beispielsweise häufiger vor, dass die äußeren Schichten des Pflanzengewebes reißen. Ist dies der Fall, wird umgehend eine Wundversiegelung eingeleitet. Zellen des benachbarten Grundgewebes dehnen sich schlagartig aus und verschließen die Wunde von innen.

Völlig schwerelos

Die neue Technologie kann in vielen Bereichen vorteilhaft eingesetzt werden. Der Reparaturschaum soll etwa im Leichtbau Anwendung finden und Tragewerke vor Schäden schützen. Auch Luftmatratzen, Schlauchboote sowie Ballonhüllen könnten in Zukunft mit einer Polyurethanschicht ausgestattet werden. Und selbst die Raumfahrt wird eines Tages von der selbstreparierenden Beschichtung profitieren.

Titelbild: © Goodyear