Das Potenzial der Tannine

Klebstoff aus Rindenmulch

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Um Holzspäne bei der Produktion von Spanplatten in die richtige Form zu pressen, werden sie mit Klebstoff vermengt.
Üblicherweise wird synthetischer Leim eingesetzt. Jetzt gibt es eine natürliche Alternative – Rindenabfälle!

Fichtenrinde als Ausgangsmaterial für die Tanningewinnung. © Ervin Monn – Fotolia.com

Fichtenrinde wird als Mulch beispielsweise im Garten ausgelegt, oder einfach als Abfall verworfen. Dabei schlummert in ihr ein großer Nutzen. Sie enthält Tannine, die sich durch hohe Bindeeigenschaften auszeichnen und dadurch wie Klebstoff wirken.

Forscher der Berner Fachhochschule (BFH) in der Schweiz entwickelten ein Verfahren, um Tannine aus heimischen Fichten zu lösen. Mit Erfolg: der erhaltene Extrakt hat nachgewiesene Klebeigenschaften. Derzeit arbeitet das Forscherteam daran, die Reinheit der Tannine zu erhöhen, um ihre Wirkung als Klebstoff zu verstärken. Letzten Endes soll der optimierte Extrakt bei der industriellen Herstellung von Spanplatten eingesetzt werden. Andere Wirtschaftszweige hätten ebenfalls Vorteile dadurch. Darunter Lebensmittelhersteller, die Tannine als Konservierungsmittel nutzen, und Weinproduzenten, die den Stoff zur Klärung der Weine einsetzen.

Ganz neu ist diese Idee allerdings nicht. Bereits vor rund 180.000 Jahren haben Neandertaler eine
Art Klebstoff aus Baumrinde hergestellt. Damals war es jedoch Birkenpech, das durch Erhitzen aus
gerollter Birkenrinde gewonnen und für die Herstellung von Jagdwerkzeugen verwendet wurde.

Quellen: www.snf.ch, www.ahb.bfh.ch

Titelbild: © Ervin Monn – Fotolia.com