Modellbau in der Flasche

Eine Buddel voll Schiff

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Im Ostseebad Boltenhagen stellt Jürgen Kubatz seine Meisterstücke aus: fein verarbeitete Buddelschiffe. Ein Kunsthandwerk, das seinen Höhepunkt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte und mittlerweile Seltenheitswert besitzt.
Doch wie kommt ein Miniaturschiff überhaupt in die Flasche? Und welche Klebstoffe sind nötig?

Modellschiffe im Miniaturformat: Bereits als Kind begeisterte sich Jürgen Kubatz für dieses Hobby. Kurze Zeit später war seine Leidenschaft für die hübschen Buddelschiffe geboren. Heute führt er ein eigenes kleines Museum mit etwa 300 Meisterwerken – gebaut hat er insgesamt wohl schon über 2.000.

Wie kommt das Schiff in die Flasche?

Jedes Miniaturschiff hat seine einzigartige Geschichte und eine spezielle Methode, mit der es in sein gläsernes Zuhause kommt. Im Handel sind zum Beispiel Nachbildungen des Marineschiffs Gorch Fock oder des Hotelschiffs Alexander von Humboldt erhältlich. Maßstäbe und Farben werden stets so gut wie möglich beibehalten.

Damit Schiffe in die Buddel kommen, baut man sie mit klappbaren Masten und Spieren, die innerhalb der Flasche aufgerichtet werden. So hält es auch Kubatz mit älteren Schiffsmodellen. Moderne dagegen werden zunächst außerhalb der Flasche komplett zusammenbaut und anschließend in Größen zerlegt, die durch den Flaschenhals passen. In der Flasche können die Teile wieder zusammengeklebt werden. Diese filigrane Arbeit erfordert viel Konzentration und Fingerspitzengefühl, weil die vorherige „Zerstörung“ nach dem Zusammenkleben natürlich nicht mehr zu sehen sein soll.

Die genaue Basteldauer pro Schiff kann nie genau ausgemacht werden. Ausgehend von einem durchschnittlich großen Schiff mit drei bis vier Masten, das in einer ¾ Liter Schnapsflasche einzieht, kann es an die 30 bis 40 Stunden dauern. Größere und detailreichere Schiffe benötigen oft mehr Zeit.

Nichts geht ohne das richtige Material

Neben einem guten Bauplan, Holz, Farbe und Garn gehört Klebstoff zu den Grundlagen für jedes Schiff. Dabei werden je nach Bedarf unterschiedliche Arten verwendet: Allzweckkleber, der wasserlöslich und für eventuelle Korrekturen geeignet ist, genauso wie Dispersionsklebstoff, der sich besonders für Holzbestandteile eignet. Sekundenklebstoff zeichnet sich dadurch aus, das er innerhalb von Sekunden aushärtet und keine Spuren beim Trocknen hinterlässt. Das ist praktisch für Schiffe, die Kubatz außerhalb der Flasche zusammenbaut. Hier muss der Klebstoff jedoch gewährleisten, dass die zusammengeklebten Teile noch beweglich bleiben, bis sie in der Flasche endgültig aufgerichtet werden. Baut Kubatz Schiffe direkt in der Flasche zusammen, benötigt er dagegen langsam trocknenden Klebstoff. Es dauert nämlich seine Zeit, bis alle Schiffsteile ihren Platz gefunden haben.

Bei der Arbeit mit dem Zahnspachtel muss darauf geachtet werden, dass der Klebstoff keine Fäden zieht. Werden sie doch einmal benötigt, zieht Kubatz sie mit Garn selbst. Feinste Kanülen sorgen außerdem dafür, dass der Klebstoff punktgenau dosiert werden kann. So entsteht am Ende ein detailgetreues Buddel-Schiff im Miniaturformat, ohne unerwünschte Spuren der Verarbeitung.

Titelbild: © canonkd – Fotolia.com