Briefmarkengummierung

Das klebrige Geheimnis wird gelüftet

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Ohne gültige Briefmarke kommt keine Postsendung an – das sind jedes Jahr mehr als drei Milliarden Marken. Wie selbstverständlich werden Urlaubskarten, Liebesbriefe, Pakete und Co. mit den kleinen, bunten Wertzeichen beklebt. Wer aber hat schon einmal darüber nachgedacht, wie Briefmarken kleben? Oder woraus der Klebstoff, auch Gummierung genannt, besteht?

Die Erfolgsgeschichte beginnt in Bayern

Vor 166 Jahren fand hierzulande eine bedeutende Revolution statt. Die Märzrevolution? Nein, die ereignete sich ein Jahr zuvor. Gemeint ist eine bahnbrechende Umwälzung im Postwesen. 1849 kam im Königreich Bayern mit der „Schwarzen Einser“ die erste Briefmarke Deutschlands heraus. Wie ihre heutigen Nachfolger wurde sie auf Postsendungen geklebt, um diese zu frankieren. Die Klebmasse, die dazu verwendet wurde, hat mit den aktuell gebräuchlichen hauchdünnen Klebstoff-Beschichtungen allerdings nichts gemein.
Damals – im 19. Jahrhundert – war es üblich, Briefmarkenklebstoff aus Zuckermelasse und Kartoffelstärke, gelegentlich auch aus Fischleim herzustellen. Heute begehrte Sammlerstücke, stießen derartig gummierte Postwertzeichen bei den damaligen Verbrauchern auf wenig Gegenliebe. Ihr penetranter Geruch und Geschmack sorgte lediglich für verzogene Gesichter.
Weiteres Manko: Die Klebstoffe waren technisch noch relativ unausgereift – Briefmarken hafteten oft aneinander und fielen häufig ab. Zudem befürchteten die Leute seinerzeit, dass der Kartoffelkleister ein Träger giftiger Keime sein könnte. Eine neue Gummierungsart musste also her.

Ohne Fehler keinen Fortschritt

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Briefmarkenanfeuchter sind heute kein Muss mehr – dank selbstklebenden Briefmarken.
Foto: © Abenteuer Morane

Mit der Entwicklung synthetischer Klebstoffe konnten sämtliche Nachteile früherer Beschichtungsmethoden überwunden werden. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts bestehen Briefmarkengummierungen größtenteils aus Polyvinyllacetat beziehungsweise Polyvinylalkohol sowie Mischungen dieser Polymere. Gegenüber tierischen und pflanzlichen Beschichtungen haben sie mehrere entscheidende Vorteile: Sie sind geschmacksneutral, geruchlos, resistent gegen Feuchtigkeit und kleben nicht aneinander. Zudem sind solche Kunststoffgummierungen lebensmittelrechtlich unbedenklich.

Es geht auch ohne Spucke

Die Nassklebung ist zwar auch heute noch gang und gäbe, allerdings sind mittlerweile ebenso Gummierungsarten zu finden, die ohne Feuchtigkeit funktionieren – beispielsweise auf selbstklebenden Briefmarken. Diese sind mit Haftklebstoffen auf Basis von Acrylaten beschichtet und müssen lediglich von einer lösbaren Abdeckschicht abgezogen werden, um sie auf einen Umschlag oder einen Brief zu kleben.

Titelbild: © M. Schuppich – Fotolia.com